Presseanfragen können an die folgende Adresse geschickt werden: revolutionaryberlin@gmail.com

Artikel über RevolutionaryBerlin im Exberliner im Mai 2013 (auf Englisch)

Artikel über RevolutionaryBerlin bei der Presseagentur dpa am 1. Mai 2011 (auf Englisch)

Reportage über RevolutionaryBerlin im Inforadio RBB am 29. April 2011 (zur Zeit nicht online)

RevolutionaryBerlin im Neuen Deutschland

Mythos Kiezaufstand

In Kreuzberg gibt es vor dem 1. Mai historische Führungen zur Geschichte der Demonstrationen

Von Nicolas Šustr

»Sind die Häuser in Friedrichshain eigentlich erst später besetzt worden?«, fragt die junge Frau Bill Haywood. Wir stehen auf der Mittelinsel des verkehrsumtosten Kottbusser Tors. Haywood hat soeben seine Worte zum Kreuzberger Häuserkampf der 70er und 80er beendet. Seit letztem Jahr bietet er unter dem Titel »Revolutionäres Berlin« Führungen zur Geschichte der Kreuzberger 1. Mai-Demos an. Mit bewundernswerter Ruhe erklärt er der politisch interessierten Dame, dass solche Dinge in der DDR nicht möglich gewesen sind und es so etwas daher in der östlichen Stadthälfte vor der Wende 1989 nicht gab.

Die naive Frage zeigt den offensichtlichen Bedarf an Information zu noch gar nicht allzu weit zurückliegenden Geschehnissen. An die 20 Leute – unter anderem Schweden, Russen und Deutsche – haben sich an diesem sonnigen Sonntag zwischen Baucontainern und blühenden Obstbäumen eingefunden, um Hintergründe zu den alljährlichen Kreuzberger Maifestspielen zu erfahren. Fast alle haben den Termin aus dem Stressfaktor, dem Infoblatt der Berliner Autonomen. Als erster Programmpunkt wird von jedem Teilnehmer 5 Euro Spende eingesammelt. Die Einnahmen leitet Haywood an linke Organisationen weiter. Er macht die Führungen für die Sache, nicht für den eigenen Verdienst, wie er sagt.

Vom Kottbusser Tor führt der Weg weiter in die Dresdner Straße zum Wahlkreisbüro von Hans-Christian Ströbele, dem direkt gewählten Bundestagsabgeordneten der Grünen. Haywood spricht über den Lebenslauf des ehemaligen RAF-Anwalts, erzählt, dass Ströbele immer noch auf praktisch jeder Demonstration zu sehen sei und moniert zugleich, dass der Anwalt so wie die ganze Partei weiter nach rechts gerückt wäre. »Inzwischen kommt Ströbele immer ungefähr zehn Minuten nachdem die Anwesenheit eines Bundestagsabgeordneten sinnvoll gewesen wäre«, beklagt er sich.

Über den Oranienplatz geht es Richtung Görlitzer Bahnhof. Die Teilnehmer der Tour erfahren Hintergründe über Rudi Dutschke und den Axel-Springer-Verlag. Und auch, warum Maidemonstrationen in Westdeutschland irgendwann ziemlich verpönt waren: »Die DDR-Paraden auf der Karl-Marx-Allee hat man angeblich damals bis hier gehört. In der Bundesrepublik wollten viele damit nichts zu tun haben.« Ein barfüßiger Herr mit Hund kreist ein-, zweimal um die Gruppe, um sich anschließend über komplizierte Fördermittelanträge zu beklagen. Haywood zuckt mit den Schultern.

Er kommt schließlich auf die Volkszählung 1987 zu sprechen, die maßgeblich zum so genannten Kiezaufstand 1987 geführt hatte. In diesem Jahr eskalierte das friedliche Fest auf dem Lausitzer Platz, nachdem es nach kleineren Zwischenfällen am Rande der Veranstaltung unter massivem Knüppel- und Tränengaseinsatz durch die Polizei aufgelöst wurde. In der Folge musste sich die Polizei komplett aus dem Gebiet zurückziehen. Es kam zu Plünderungen – von Haywood als »Umverteilung von Lebensmitteln« eingeordnet – und Brandstiftungen. »Es war so ein Erfolg, dass es bis heute stattfindet«, sagt der Stadtführer.

»Nicht die Polizei hatte am Ende gesiegt, sondern der Alkohol«, resümiert Haywood ganz in der Tradition früherer Arbeiterermahnungen die Rückkehr der Staatsmacht am nächsten Morgen. Das passt, schließlich hat er sich seinen Aliasnamen von einem bedeutenden amerikanischen Arbeiterführer vom Anfang des letzten Jahrhunderts geliehen.

Auf dem Weg gen Mariannenplatz spricht er über die folgenden Zerwürfnisse innerhalb der Linken, subtilere und chirurgischere Polizeitaktiken der letzten Jahre. Zum Schluss folgen noch die üblichen Hinweise, wie man sich richtigerweise als Teilnehmer auf so einer Demo verhalten sollte. »Die Polizei entscheidet letztendlich, wie viel Gewalt sie haben will«, sagt er.

Weitere Führungen finden, allerdings nur auf Englisch, an folgenden Terminen statt. Treffpunkt ist immer die Mittelinsel des Kottbusser Tors. Do, Fr, Sa, 28.-30. April, jeweils um 16 Uhr.

Quelle: Neues Deutschland, 27. April 2011

RevolutionaryBerlin im Tagesspiegel

„Revolutionary Berlin“ heißt die neuste touristische Attraktion. Ein Stadtrundgang durch den umkämpften Kiez wird angeboten von Linken, die lieber namenlos bleiben. Das Werbevideo zeigt brennende Autos und Graffiti, dazu spielt Punkmusik. Politische Demonstrationen seien manchmal angereichert mit brennenden Autos und fliegenden Pflastersteinen, verkündet die Internetseite. Die Touren sind bei jungen Menschen aus Ländern beliebt, die so etwas wie den 1. Mai und dessen revolutionäre Stimmung nicht kennen.

Quelle: Tagesspiegel, 2. Mai 2010

RevolutionaryBerlin in der ZEITjUNG

Aus: „Eine Top 10 der interessantesten Ereignisse rund um die 1. Mai-Krawalle.“

Platz 3: 1. Mai 2010 in Berlin

Ähnlich schockierend ist die Idee des Studentenprojekts „RevolutionaryBerlin“, dass Kapital aus den Krawallen schlägt. Für 5 Euro bekommt man dort eine Stadtführung der anderen Art. Zusammen mit einem Führer geht es zweieinhalb Stunden durch die Kreuzberger Kieze, inklusive reichlich Randale-Informationen der vergangenen Jahre. Nachher weiß man dann wann und wo Autos brannten und Straßenkämpfe waren. Die Einnahmen gehen komplett an linke Projekte.

Quelle: ZEITjUNG, 1. Mai 2010

Artikel über RevolutionaryBerlin im Spiegel International vom 30. April 2010 (auf Englisch, Übersetzung aus der deutschsprachigen Zeitschrift)

Artikel über RevolutionaryBerlin auf der Website des Fernsehsenders ABC vom 1. Mai 2010 (auf Englisch – Kopie des Spiegel-Artikels)

Artikel über RevolutionaryBerlin von der Nachrichtenagentur UPI am 30. April 2010 (auf Englisch)

RevolutionaryBerlin in der Lausitzer Rundschau

Berliner Mai-Folklore für Touristen

Das Stadtführungswesen in Berlin, es entwickelt sich. Neben literarischen Führungen, Friedhofsrundgängen oder einer DDR-Nostalgie-Tour gibt es nun auch einen gedruckten Stadtführer, in dem bekannte Berliner Sänger und Bands Sightseeing-Tipps geben.

Unspektakuläre wohlgemerkt, denn die Musiker verraten, wo man gut in Plattenläden wühlen, Pizza essen oder auch einfach nur mal abhängen kann. Nichts zum Aufregen halt.

Ganz im Gegensatz zu dem, was ein Amerikaner in den letzten Tagen als Anlaufpunkte für Berlinbesucher empfahl. Bill H. führte Touristen auf Wanderungen durch ,,Revolutionary Berlin“, das in dem Fall in Kreuzberg liegt. Am Mariannenplatz oder am Oranienplatz. Da die traditionelle Randale am 1. Mai mittlerweile in den Rang eventhafter Protestfolklore gelangt zu sein scheint, ist es nicht unlogisch, dass jemand auf die Idee der kommerziellen Ausschlachtung kam. Das lief früher bei der Punkmusik schließlich auch nicht anders.

Fünf Euro kostete die Teilnahme an der Zweistundenwanderung. Das Geld, so hieß es, würde an linke Organisationen gespendet. Die jüngste Errungenschaft des Berliner kulturgewerblichen Kleinunternehmertums war in dem englischsprachigen Stadtmagazin ,,Exberliner“ publik gemacht worden. Das Magazin hat keinen linksradikalen Hintergrund, sondern einen seriösen lebenskulturell aufklärerischen Anspruch. Deshalb durfte es den Berliner Senat und erst recht nicht die Polizei erfreuen zu lesen, dass die 1. Mai-Demo dort als Symbol für jenen alternativen Lebensstil bezeichnet wird, der Berlin für junge Leute international so attraktiv macht. Quasi in einer Linie mit der Underground-Elektromusik und der illegalen Clubkultur. So also scheint teilweise der Blick von außen auf Berlin zu sein.

Er spiegelt sich natürlich nicht in der Außendarstellung von Berlin. Auf der Weltausstellung Expo in Schanghai, zu der demnächst eine Delegation aus der deutschen Hauptstadt reisen wird, werden als kulturelle Botschafter Klassikmusiker, Rapper und Breakdancer auftreten. Die Chinesen können sich auf friedliebende Künstler aus Berlin freuen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, 30. April 2010

RevolutionaryBerlin im ARD-Morgenmagazin

Ein Videobericht im ARD Morgenmagazin (neues Fenster)

RevolutionaryBerlin im Spiegel

Ortstermin: Deutschland im Mai

In Berlin erklärt eine Stadtführung ausländischen Besuchern den Sinn der jährlichen Randale.

Sein Name soll Bill sein, sagt er, ein Tarnname, klar, und noch was: Keine Fotos von seinem Gesicht. Er ist schließlich ein Linksradikaler.

Er steht am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg, auf dem vermüllten Platz unter den U-Bahn-Gleisen. Dort, wo wieder Steine und Flaschen fliegen werden, wenn alles so läuft, wie es Bill und der Rest der Stadt erwarten. Samstag ist wieder der 1. Mai.

Bill trägt eine Cargohose und ein T-Shirt, auf dem in etwa steht, dass die verdammten Yuppies sterben sollen. Das T-Shirt ist das Erkennungszeichen für die Gruppe, mit der er unter den Gleisen verabredet ist. Zwei Dutzend Leute warten schon auf ihn.

Geht gleich los, sagt Bill. Das Geld kassiere er übrigens vorab.

Bill ist ein Linksradikaler, der eine Geschäftsidee hatte. Er bietet Stadtführungen an die Orte der „famous may riots“ an, der berühmten Mai-Randale. Auf Englisch, manchmal auch auf Deutsch. Die englische Tour fällt Bill, der Amerikaner ist, leichter und ist viel besser besucht.

„Revolutionary Berlin“ steht auf den Flyern, die er verteilt, neben der Schrift ist ein Fernsehturm mit einem roten Stern. Es gibt auch eine Seite bei Facebook.

An diesem Tag sind Leute aus Neuseeland, Irland, Russland und Italien gekommen, sie sind zwischen Anfang zwanzig und Anfang dreißig, viele sind vor kurzem nach Berlin gezogen. Sie tragen bunte Tücher und große Sonnenbrillen, aber nicht zur Tarnung, niemand hat etwas dagegen, fotografiert zu werden.

Das Ereignis des Frühjahrs

Der 1. Mai in Kreuzberg ist eine weitere, aufregende Seite ihrer neuen Heimat, die sie besser kennenlernen wollen. Außerdem scheint es das Ereignis des Frühjahrs zu sein, überall hängen Plakate, jeden Tag steht was in den Zeitungen. Es sind auch ziemlich viele Deutsche da.

Fünf Euro pro Person, sagt Bill, das sei so das Übliche, aber er sei flexibel. Es handle sich um Spenden, die er an ein linkes Projekt weiterleiten werde, die Stadtführung an sich sei kostenlos. Bill ist auch Marxist, also Antikapitalist.

Vor acht Jahren ist er nach Berlin gekommen, um hier zu studieren, vor sieben Jahren war er zum ersten Mal am 1. Mai in Kreuzberg, seitdem jedes Jahr. Beim letzten Mal riefen einen Tag später seine Eltern an, sie hatten in den Nachrichten Bilder aus Kreuzberg gesehen und machten sich Sorgen. Eine Anekdote, die Bill gleich zu Anfang der Tour erzählt.

Hausbesetzer, Rudi Dutschke, Studentenbewegung, mit der Vorgeschichte ist Bill am Oranienplatz durch. Am Büro von Hans-Christian Ströbele hat er kurz auf den Politiker von den Grünen geschimpft, mit dem sei es wie mit ganz Kreuzberg: alles nicht mehr so radikal wie früher.

Zwei türkische Jungs rufen: „Hallo, liebe Touristen!“ Bill raucht erst mal eine.

Es geht nun darum, was am 1. Mai 1987 geschah. Bill erzählt von einem friedlichen Straßenfest und einem plötzlichen Tränengasangriff der Polizei. Es sei zu einem spontanen „Kiezaufstand“, ein deutsches Wort, das man sich merken könne, gekommen, ein Supermarkt wurde von wütenden Bürgern geplündert und niedergebrannt. „Das ist die Version, die ich glaube“, sagt Bill. Seit 1988 werde jedenfalls jedes Jahr demonstriert.

„Wofür jetzt genau?“, fragt jemand.

„Das hängt immer so’n bisschen vom politischen Kontext ab“, sagt Bill.

„Kapitalismus ist scheiße ist und wir sind gegen das System“

Es gebe alle möglichen revolutionären Anlässe. Repression, Ausbeutung, Krieg und so weiter. Oder, einfacher gesagt: „Es geht darum, dass Kapitalismus scheiße ist und wir gegen das System sind.“

Die Teilnehmer schauen ihn an, niemand sagt etwas. Marxismus gegen Kapitalismus, Bürger gegen Polizisten. Ost gegen West gibt es nicht mehr, aber sonst scheint Deutschland plötzlich ein Land zu sein, in dem die Welt noch so einfach zu erklären ist wie vor einem Vierteljahrhundert. Gut gegen Böse.

Die Stadtführungen hat sich Bill in einem Gründerwettbewerb an der Uni ausgedacht, zusammen mit anderen Studenten. Er hat bei dem Wettbewerb mitgemacht, um ihn zu kritisieren. Weil an den Universitäten gespart wird, aber Geld dafür da ist, Studenten zu Unternehmern zu machen.

Auch die Touren selbst sieht Bill vor allem als politisches Projekt, als Aufklärung über und Werbung für den revolutionären 1. Mai. In der linken Szene hätten einige Leute begeistert reagiert. Andere fragten, was der Mist soll, noch mehr Touristen nach Kreuzberg zu bringen.

Bill sieht die Sache pragmatisch. Die Touristen kommen sowieso, ist doch besser, wenn sie mit ihm kommen.

Jedes Jahr das Gleiche: Demo, Angriff der Polizei auf die Demo, Randale

Mit der 1.-Mai-Geschichte ist er hinter dem Mariannenplatz durch. In seiner Version ist im Prinzip auch jedes Jahr das Gleiche passiert, Demo, Angriff der Polizei auf die Demo, Randale. Seit ein paar Jahren versuche der Staat auch, die Linksradikalen mit einem großen Straßenfest, das als Anti-Gewalt-Aktion getarnt sei, von der politischen Arbeit abzuhalten.

Sie haben die Moschee gesehen, die da steht, wo einst der Supermarkt abbrannte, und ein altes, linkes Café, das vor kurzem wegen Mieterhöhung schließen musste.

Bleibt die Frage, wie der 1. Mai diesmal wird. Er lade alle zur Demo ein, sagt Bill. Und für danach gelte: Cool bleiben, den Kopf benutzen.

Zwei Au-pair-Mädchen aus Großbritannien fangen gleich an zu planen. Sie wohnen bei Familien im bürgerlichen Südwesten, sie sind keine Linken. Aber das muss man wohl mal gesehen haben, Kreuzberg am 1. Mai, sagen sie.

Quelle: Der Spiegel 17/2010, 26. April 2010, S. 63

RevolutionaryBerlin in der BZ

Krawall-Tour für Touristen am Kotti

Studenten führen Touristen durch Kreuzberg und erklären brennende Autos und fliegende Pflastersteine.

Noch acht Tage bis zum 1. Mai. Bis zu dem Tag, an dem in Kreuzberg regelmäßig die Chaoten-Gewalt explodiert. Im Vorfeld sorgt jetzt eine provokante Stadtführung für Empörung: Studenten führen Touristen an die Orte, an denen es zu schweren Ausschreitungen gekommen ist.

Diese zweifelhafte Kreuzberg-Tour, die in einem Uni-Seminar konzipiert wurde, nennt sich „Revolutionary Berlin“. Und will laut Webseite die „Tradition der brennenden Autos und fliegenden Pflastersteine“ beleuchten. Der Rundgang beginnt am Kottbusser Tor. Stadtführer ist „Bill“, der sich selbst als „Antikapitalist“ bezeichnet. „‚Woher kommt nur dieser Hass’, titelte eine große deutsche Zeitung letztes Jahr – genau diese Frage wollen wir während dieses Stadtrundgangs klären“, sagt „Bill“ mit fester Stimme. 30 Touristen, junge Leute aus Spanien, England und den Staaten, nicken.

Dann sammelt er von jedem Teilnehmer fünf Euro für ein „antikapitalistisches“ Projekt ein. „Das Geld geht als Spende an linke Organisationen“, erklärt er. Es geht vorbei an Ströbeles Büro, zum Mariannenplatz, vorbei am Heinrichplatz. Der besetzte „Umsonstladen“ wird kurz zum Tour-Höhepunkt. „Wollen wir ihn jetzt wieder besetzen?“, ulkt Guide „Bill“.

Impuls durch Gründerinitiative der FU

Die Macher, vier Studenten, entwickelten ihr Konzept im Rahmen eines Seminars der Gründerinitiative der Freien Universität („profund“). Heute distanziert sich „profund“ von dem Projekt ihrer Studenten. In der Praxisphase des Wettbewerbs sei es laut Sprecherin Elisabeth Busse „nur um den historischen Hintergrund gegangen“. Die Idee sei unter dem Titel „Stadtwanderungen in Kreuzberg zur Geschichte der Proteste und der revolutionären 1. Mai Demonstrationen“ gelaufen. Nach dem Wettbewerb habe das Team unterschreiben müssen, dass die im Seminar gegründete GbR wieder aufgelöst würde. Was die Uni-Mitarbeiterin nicht weiter verfolgte, war die Entwicklung von „Revolutionary Berlin“. Geschult durch wochenlange Marketing-Trainings und bekannt geworden durch die Presse-Mitteilungen der FU bieten die Macher von „Revolutionary Berlin“ nun zwei Stunden langes Krawall-Sightseeing durch Kreuzberg an. „Wenn man sich an Grundregeln hält, kann man gegen Kapitalismus protestieren und eine gute Zeit haben“, erklärt Stadtführer „Bill“ einem Reporter des englischsprachigen Magazins „Exberliner“. Das untermauert er mit ein paar krawalltaktischen Tipps: „Im Falle einer Festnahme den Satz ‚Ich verweigere die Aussage’ wiederholen“, rät er. Oder auch: „Das Brennen von Pfefferspray in den Augen lässt nach 15–60 Minuten nach.“

Für Andreas Gram, Vize-Fraktionsvorsitzender der CDU, sind die Touren „nichts weiter als Anstiftung zu Straftaten, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft gefördert werden“. Der Wissenschaftssenator müsse, so Gram, „eine Untersuchung an der FU einleiten“.

Quelle: BZ, 23. April 2010

Ankündigung von RevolutionaryBerlin in der taz

Vormerken: Über die Anfänge eines Mai-Rituals

Nur noch sieben Tage, dann ist es wieder so weit: Erster Mai in Kreuzberg. Was als politischer Protest begann, ist inzwischen zu einem sinnentleerten Event für Krawalltouristen geworden, das weit über die Landesgrenzen bekannt ist. Da aber längst nicht jeder Neuberliner Bescheid über die Anfänge weiß, findet diesen Sonntag eine Stadtführung mit dem Namen „Revolutionary Berlin“ in Kreuzberg statt. Treffpunkt am Kottbusser Tor.

Quelle: taz, 24. April 2010

RevolutionaryBerlin in der Berliner Zeitung

Auch das seriöse englischsprachige Stadtmagazin Exberliner widmet sich dem ‚May Day‘. Die 1. Mai-Demo sei ein Symbol für den alternativen Lebensstil geworden, der neben den illegalen Clubs und der Hardcore-Elektro-Musik Berlin international so populär mache. In dem Text wird ein gewisser Bill zitiert, der Touren durch das ‚revolutionäre Kreuzberg‘ anbiete. Er empfiehlt einen Besuch der Mai-Demonstration, als wäre es so lustig wie einst die Loveparade. Man solle sich nicht von den unheimlichen Fernsehbildern abschrecken lassen, sagt er, wenn man ein paar Ratschläge berücksichtige, könne der antikapitalistische Kampf sehr großen Spaß machen. Daneben stehen zehn ‚Survival-Tipps‘: Man solle auf keinen Fall Alkohol trinken oder Drogen nehmen: ‚Du brauchst einen klaren Kopf, um sicher zu bleiben.‘ Gewarnt wird vor den deutschen Polizisten. Man solle sich nicht von einem Beamten überreden lassen, eine Aussage zu machen oder etwas zu unterschreiben, auch wenn man im Untersuchungsgefängnis unter Druck gesetzt wird. Dazu wird empfohlen, den deutschen Satz zu trainieren: ‚Ich verweigere die Aussage.‘

Quelle: Berliner Zeitung

Reportage über den 1. Mai in der englischsprachigen Zeitschrift Exberliner (mit einem Zitat von RevolutionaryBerlin).

Bericht über RevolutionaryBerlin auf der Website von FURIOS, der rechten StudentInnenzeitschrift an der Freien Universität

Bericht über RevolutionaryBerlin in der taz

Die revolutionäre Führung in der Marktlücke

LINKE GESCHICHTE Vier Studenten führen Berliner und Touristen zu zentralen Orten der Geschichte des 1. Mai in Kreuzberg. Ein Gründerwettbewerb gibt ihnen Schwung. Noch ist alles ein Projekt auf Zeit

Florian ist nervös. Er tritt von einem Fuß auf den anderen, schaut in die Runde. Es ist erst kurz vor drei, und trotzdem bevölkern bereits mehr als zwei Dutzend Menschen die Mittelinsel am Kottbusser Tor, die alle an der Stadtführung „Revolutionary Berlin“, wie Florian und seine Kommilitonen sie genannt haben, teilnehmen wollen. Zwei Dutzend Menschen, das sind doppelt so viele wie vor einer Woche. Und das heißt, dass die vier Studenten Florian, Bill, Marc und Melanie mit ihrer Idee eine Marktlücke gefunden haben.

Eigentlich war es Bill, der die Idee hatte. Der US-Amerikaner lebte vier Jahre lang in Kreuzberg. „Am 1. Mai habe ich immer gemerkt, dass unheimlich viele Touristen, Erasmus-Studenten, Expats dabei sind, die gar nicht verstehen, was eigentlich passiert“, erzählt er. Für Freunde und Familie habe er begonnen, kleine Führungen zu veranstalten, die die Geschichte des 1. Mai in Kreuzberg erzählen sollten.

Dass die Gruppe die Führungen nun auch öffentlich anbietet, verdankt sie ihrem Studium: Zum einen müssen die Bachelor-Studenten Praxiserfahrung im Bereich Betriebswirtschaftslehre nachweisen. Zum anderen lockte ein Gründerwettbewerb. Die Teilnehmer müssen innerhalb von sechs Wochen beweisen, dass ihre Idee funktioniert. Den ersten drei Projekten winkt ein Preisgeld von insgesamt 2.500 Euro. Funktionieren heißt vor allem: wirtschaftlich funktionieren. Dabei geht es den vieren darum eigentlich gar nicht.

„Wir wollen jeglichen Überschuss, den wir erwirtschaften, an linke Projekte spenden“, erklärt Bill. Wie viel das ist, sei derzeit noch nicht abschätzbar. Die Stadtführung ist kostenlos, die Studenten bitten am Ende um Spenden, um zumindest die Ausgaben für Flyer und Plakate abdecken zu können. Die Arbeit läuft ehrenamtlich, dafür aber umso ambitionierter: Florian führt seine Gruppe auf Deutsch, Bill auf Englisch, die Erasmus-Studenten Marc und Melanie bieten den Rundgang auf Französisch an.

Die Stationen beschränken sich nicht auf die Geschichte des 1. Mai. Die Gruppe geht bei dem Rundgang auch auf die Geschichte der Hausbesetzer- und der linken Szene ein. Vor dem New Yorck im Südflügel des Bethanien machen die Teilnehmer große Augen, als Florian erzählt, dass die Besetzer vor Kurzem eine Gruppe Roma aufgenommen hatten, die im Anschluss eine Kirche besetzte. Die Tour endet nach zwei Stunden am Spreeufer mit der Geschichte des Konflikts um Mediaspree. „Es war sehr spannend“, bilanziert die Ungarin Linda, die durch ein Plakat von der Stadtführung erfahren hat. Die Studentin, die seit zwei Monaten in Neukölln lebt, geriet am 1. Mai ganz unerwartet in die Auseinandersetzungen am Abend. „Ich kannte die ganze Geschichte des 1. Mai in Kreuzberg gar nicht“, erzählt sie. Auch Florian ist zufrieden, das Feedback war positiv.

Am kommenden Samstag wird die Stadtführung zum vorerst letzten Mal stattfinden. Treffpunkt ist wieder um 15 Uhr die Mittelinsel am Kottbusser Tor. Danach fällt die Entscheidung über die Gewinner des Gründerwettbewerbs. „Ob wir weitermachen, müssen wir noch entscheiden“, sagt Bill. Bedarf scheint ja zumindest vorhanden zu sein.

SVENJA BERGT

Quelle: taz

Interview mit RevolutionaryBerlin in der jungen Welt

»Diese Besichtigungstouren sind sowas von langweilig«

Studentenfirma bietet Stadtführungen durch Berlin-Kreuzberg an. Thema: 1.-Mai-Demonstrationen. Ein Gespräch mit William Haywood.

Braucht Berlin noch eine Firma, die Stadtführungen anbietet?

Gerade im Sommer ist die Stadt vollgestopft mit Touristen aus aller Welt. Die »Free Tours«-Firmen bringen die Leute zum Brandenburger Tor und zum Checkpoint Charlie – das ist sowas von langweilig! Wir glauben, daß viele junge Leute nach Berlin kommen, weil sie von der besondere Protestkultur in dieser Stadt gehört haben. Gerade beim diesjährigen 1. Mai in Kreuzberg gingen die Nachrichten über die angeblichen Krawalle rund um die Welt, und Besucher wollen die Hintergründe wissen.

Es gibt bereits jede Menge alternative Stadtführungen.

Ja, aber die haben andere Schwerpunkte. Stadtführungen über Graffiti oder die Queer-Szene sind gute und wichtige Sachen, aber wir wollen vor allem die Geschichte von Protesten erzählen – kostenlos!

Gibt es nicht jetzt schon genug Touristen in Kreuzberg?

Auf jeden Fall. Aber die wären auch ohne uns da. Hoffentlich können wir sie zumindest ein bißchen im Sinne der Kämpfe im Bezirk politisieren.

Welche Kämpfe wollen Sie präsentieren?

Unser Schwerpunkt liegt ganz klar bei der revolutionären 1.-Mai-Demo: Wir zeigen unter anderem den Mariannenplatz, wo die Polizei am 1. Mai 1987 ein friedliches Straßenfest angegriffen hat. Oder den Oranienplatz, wo die erste Demonstration am 1. Mai 1988 startete. Aber wir sprechen auch über aktuelle Proteste, z.B. Hausprojekte wie »New Yorck« oder »Köpi«, oder die Kampagne gegen »Mediaspree«.

Was versteht man unter einer Studentenfirma?

Unser Projekt ist Teil von »Funpreneur«, einem Wettbewerb von Studentenfirmen an der Freien Universität Berlin; er wird von »profund«, der Gründungsförderung der FU, organisiert. Gruppen von bis zu vier Studenten gründen eigene Firmen und nach sechs Wochen bekommen die erfolgreichsten Firmen Preise.

Wenn Sie so links sind, warum nehmen Sie dann an einem solchen, eher offiziellen, Wettbewerb teil?

Wir sehen hier die Gelegenheit, »Funpreneur« in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Während wir an der FU völlig überfüllte Seminare und Vorlesungen aushalten müssen, weil an dieser angeblich »exzellenten« Universität kein Geld für die Lehre da sein soll, gibt es mehr als genug Geld für die Förderung eigener Firmengründungen. Unterstützung kommt von der Berliner Volksbank und anderen Konzernen.

Dieser Wettbewerb ist nur ein Element der allgemeinen Kommerzialisierung der Universität. Jegliche Bildung soll den Interessen der Wirtschaft vollständig untergeordnet werden: So brauchen selbst Studierende der Geisteswissenschaften für ihren Abschluß eine »Allgemeine Berufsvorbereitung«, die ein längeres, meist unbezahltes Praktikum und sinnlose Sachen wie diesen Wettbewerb umfaßt.

Schon der forciert lustige Name »Funpreneur« deutet an, daß wir es mit einem ideologischen Projekt zu tun haben: Studierende sollen den »Spaß« daran entdecken, Kapitalist zu spielen.

Warum gibt es keinen Wettbewerb für Studenten-NGOs, bei dem das Team gewinnt, das in sechs Wochen den meisten Menschen hilft?

Ich vermute, weil das Präsidium der FU seine Aufgabe darin sieht, die künftige Wirtschaftselite auszubilden. Deswegen unterstützen wir auch den Bildungsstreik im Juni, der sich unter anderem gegen Privatisierung und Kommerzialisierung der Bildung richtet.

Aber kommerzialisieren Sie mit Ihrem Projekt nicht den 1. Mai?

Die Gefahr sehen wir auf jeden Fall. Von der Kreuzberger Linken haben wir schon unterschiedliche Reaktionen bekommen. Wir werden etwaige Gewinne an linke Projekte aus Kreuzberg spenden, weil wir sonst ein schlechtes Gewissen hätten.

Kann jeder hinkommen?

Wir bieten die Führungen auf Deutsch, Englisch und Französisch an. Die erste Tour war Samstag und lief ziemlich gut. Die nächsten Führungen sind am 6. und am 13. Juni, jeweils um 15 Uhr am Kottbusser Tor.

Und ist weiteres in Planung?

Wenn es gut läuft, werden wir auch eine Stadtführung durch Berlin-Mitte zur Geschichte der Novemberrevolu tion anbieten. Aber irgendwo mußten wir anfangen.

Quelle: junge Welt

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